Der Todesstern schlägt zurück

Manchmal habe ich den Eindruck, dass der Todesstern eigentlich eine High-End-Version vom Galgo ist. Nur dass ich bei der ein bisschen selbst mit verbockt habe. Die hatte ich ja schon von Welpe an, beim Galgo konnte ich alles auf den Status als wunderlichen Tierschutzhund schieben. Und natürlich auf ne (mir zwar unbekannte, aber dennoch) völlig blöde Aufzucht. Ja, auch ich hab mal so eine Argumentationskette gehabt. Zwei Welpen später halte ich meinen Rand.

Diese Argumente fehlen mir wirklich beim Todesstern. Vor allem, wenn die sich auch noch entgegen meiner vorherigen Ankündigung „Arschlochhund!“ total gut benimmt. Oder umgekehrt. Inzwischen sage ich einfach nur noch: Keine Ahnung wie die heute drauf ist. Künstler halt. Weiß man nie, ne?
Je nach Füllstand der Glitzerknete im schwarzen Schädel macht das Mädchen abstruse bis recht originelle Sachen. Verhaltensoriginelle Sachen. Entbehren jeder menschlichen Logik.
Letzte Woche traf ich mich zu einem gemeinsamen Spaziergang. Nach dem üblichen „das kleine Schwarze erst mal nicht angucken bitte“ mache ich den Kofferraum auf. Todesstern guckt, ich erwarte das übliche rumgebelle. Fremder Mensch! AAAAHHHH! Frauchen – pass auf! Geräusche! Hülfe! Ich kenne es und bin davon nicht beeindruckt. Dem Todesstern ist noch nie was passiert, alle Menschen waren immer sehr freundlich zu ihr – trotzdem, sie sagt dass das alles gefährlich ist. Oder besser wohl die besoffenen Sturmtruppler im Neglige, die in ihrem Kopf wohnen. Was macht die Tussi? Guckt raus, guckt den fremden Menschen an – und springt aus dem Kofferraum bevor ich die an die Leine nehmen kann. Und läuft nen Bogen, kommt zurück (???) und benimmt sich. Kein Bellen.
Grmpf. Natürlich darf bei mir keiner ungefragt aussteigen, also zurück in den Kofferraum. Dort angeschnallt und wieder raus. Immer noch nix. Ich fühle mich wie ein Idiot, aber da hab ich Übung drin. Beim Spaziergang, etwas später, müssen wir an einem eingezäunten Privatgrundstück vorbei. Mit zwei bellenden Golden Retrievern. Motzi hält den Rand (?????? Ich frage mich ernsthaft, ob die Sturmtruppler die Glitzerknete gegessen haben und davon ins Koma gefallen sind.). Dafür brüllt der Gelenkbus los wie ein Kämpfer in nem schlechten Film. Inklusive Idiotenbürste, Kugelfisch und ganz viel Seiher. Alien für Hundefreunde halt. Das kann der Todesstern nicht auf sich sitzen lassen und brüllt mit. Reflex. Aber jetzt kommt es noch besser: Da ich an dem Tag mal wieder in Büroklamotten unterwegs bin (der Schlamm auf den Sachen ist mir ja drittens, aber das Schuhwerk … war nicht gut ausgewählt. Egal, muss ich durch.) und meine Wald-Ausgeh-Schuhe vergessen habe, rutsche ich auf Chucks hinter dem Rüden her. Ich bitte die Begleitung, den Pfosten zu nehmen. Bevor ich nen Salto rückwärts in die große Schlammpfütze mache mangels ordentlichem Grip mit den Arthrose-Füßen.
Kaum ist die Leine in der anderen Hand – Ruhe. Der Gelenkbus schreitet von dannen (tonlos, sämtliche Luft wird abgelassen und die Krallen eingefahren). Ich zweifle an meinem Können, Verstand und meiner Existenz. Das Chakra von mir muss grausam sein. Oder die Hunde machen grad Experimente mit mir.
Am gestrigen Tag lief es nicht anders: Mein bester Freund kommt zu Besuch. Er schellt. Brieftauben und berittene Boten waren alle. Also kann Motzi ihr bestes Schell-Bellen auspacken. Die wird per Schluppen des Todes (Birkenstock mit Kuhfell. Gleicher Effekt wie Teletac und Stachelhalsband zusammen.) auf den Platz geschickt. Mein bester Freund betritt die Wohnung – wird kurz angemoppert und dann als „Ey, FREUUUUND!!! ALTAAAA!!!“ erkannt. Die kleine Todesstern-Schlampe hat sich den Rest des Abends nicht mehr von ihm weg bewegt, lag auf dem Sofa mit dem Hintern immer in Nähe seiner Hand und ich war abgemeldet. Toll. Der Rüde lag nur noch glückselig um uns herum. Natürlich habe ich mich lauthals beschwert (ich habe Kekse gegessen. Reichlich. Beschwert ungemein habe ich festgestellt.), allerdings nimmt mich hier anscheinend keiner mehr ernst.
Skandal – ich sollte den Tierschutz anrufen. Oder Knete nachfüllen. Sonst hab ich nix mehr zu schreiben, verdammt! Die werden im Alter doch nicht noch lieb und am Ende noch ein Tutnix, oder?
Ich find Flexileinen doch so blöd. Vor allem sind die für diese Grösse Hund ja eher so transportable Rolladenkästen. Mal schauen wie es weiter läuft und ob ich herausfinde was die mit mir vorhaben….

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Mein kleines Pony

Pferde hatte ich ja auch – auch so Arschlochgeräte waren darunter. Das waren ehrlich gesagt die besten. Die hatten wirklich Charakter und haben den auch vertreten. Ihr könnt euch garantiert denken wie. Hab ich auch ne Menge von gelernt. Vor allem, dass ein Reithelm richtig Sinn macht.
Bei den Pferden war ich auch immer eher die rustikale – im Winter ne Decke? Hau ab, die haben Winterfell! Und sehen auch noch total witzig plüschig damit aus! Ein bisschen wie ein explodierter Hamster auf Stelzen. Hatten die ohne Decke nicht, und deswegen fand ich die schon weniger lustig.

 

Bei den Hunden, die mich früher so umgeben haben, kam man überhaupt nicht auf die Idee denen was anzuziehen. Der Killer-Dackel der Familie hätte mich wohl einmal mehr gebissen. Allerdings wäre der mit so einem Pelzkragenteil (es gibt ja inzwischen Sachen für die Hunde, da kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr raus!) auch nicht so leicht in irgend einem Bau verschwunden. Plöpp, festgesteckt, rausgepflückt. Das wäre definitiv einfacher gewesen als ausbuddeln.

 

Als der Galgo einzog, hab ich mir da ehrlich gesagt immer noch keinen Kopf drum gemacht dem Vieh im Winter was anzuziehen. Trotz fehlender Unterwolle und absolut keinem Gramm Fett an den Rippen ist der in den ersten Jahren auch ganz gut durch sämtliche Untiefen von Schnee, Schneeregen und eiskaltem Rhein gekommen. Der hatte so dermaßen lange Kackstelzen dass sein Bauch eh nur beim Spielen mit dem Schnee in Berührung kam.
Dummerweise wurde his Gomezness aber dann noch mal älter. Im Alter friert man ja schneller (also, ich zumindest). Als Windhund-Halter bist Du spätestens nach einem halben Jahr an so jeden Figur-Spruch ob der Rippentöle immun. Wenn diese wandelnden, tapezierten und alternativintelligenten (blöd hört sich immer so un-nett an) Knochenkarusselle so durch die Kälte zittern sieht das schon spektakulär aus. Vor allem für Mitmenschen, die voll keinen Plan haben, aber alles total gut wissen.
„FÜTTERN SIE DEN NICHT????“ – worauf mein damaliger Lebensgefährte (1,90m groß und sagenhafte 65 kg, also völlige Windhund-Figur) die Fragestellerin total ernst anblickte. Er sah auf mich, sah auf sie zurück und entgegnete wirklich todernst: „Meinen Sie, dass wir bei der was zu Essen bekommen?“ Ich hab mich fast an meiner Bratwurst verschluckt vor Lachen, die Frau gab dem armen dünnen Mann mit dem noch ärmeren dünnen Hund recht und guckte mich strafend an. Ich hab es natürlich vorgezogen, mir die Reste der Bratwurst sofort und auf einmal rein zu pfeifen. Ab 200 Gramm antwortet es sich schlecht, perfekt aus der Affaire gezogen.

Trotzdem tat der Galgo mir irgendwann mal leid, der hat tatsächlich richtig gefroren. Also sollte er eine Decke bekommen. Aber nix mit Swarovski-Gedrisse, bunt oder Kragen. Ne Stalldecke halt. Die hab ich auch gefunden, bei einem Pferdesport-Versandhändler. Original wie die Decken für die Pferde, nur halt in Mini-Shettygröße für den Hund. Geordert – der aaaaaarme Galgo musste nicht mehr frieren.

 

Dachte ich. Rechnung ohne das Rippenklavier gemacht.

 

Decke kam an, ausgepackt, freudestrahlend dem Rippchen übergeworfen. Der erstarrte zu einer wunderschönen Windhund-Figur von Hutschenreuther. Und blieb auch so. Ich bin um den rum getanzt, hab ich gezogen, geärgert – Nada. Dat Vieh war eingefroren. Decke runter – zack, Hund weg. In die Sicherheit der Couch. Ok, dachte ich mir: Challenge accepted. Galgo vor die Tür gezerrt, in den Schnee, gewartet. Er fängt an zu zittern. Zack, Decke drauf und voller Stolz gewartet, dass das Arschlochtier jetzt total stolz auf mich ist. Ich guck ihn an – Hutschenreuther Windhundfigur. Nix zu machen. Freeze. At its best.

 

Bis ich den im Schritt mit Decke zum laufen überreden konnte – Windhundbesitzer kennen diese katzenartige Sturheit dieser wundervollen Kackbiester – vergingen Monate. Nach einem Jahr hat der Inselbegabte dann festgestellt, dass man in der Decke warm bleibt und sogar laufen kann. Immerhin. Manche laufen auch nach Jahren noch mit den Dingern, als ob denen gerade Schnellzement über die Hirse gegossen worden wäre.

Die Molosserfront ist da gechillter. Der Gelenkbus sieht das Teil als riesengroße Dackelgarage und zieht es einfach an. Läuft los, passt. Wird man nicht naß (geil!), hat nen warmen Rücken und wird hinterher nicht so dolle geputzt. Nur dass die Uschi sich beim Spielen an noch mehr Falten rantackern kann ist blöd.
Und dem Todesstern… der ist alles egal. Der könnte ich auch ne Rolle Kabelbinder um den ganzen Körper binden, würde die ziemlich drittens interessieren. Backsteine wären blöd, die bremsen.

 

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Experte 2.1

Experte 2.1
Es gibt da ein massives Expertengefälle in Deutschland. Vielleicht auch in der Schweiz oder gar Österreich, das muss ich noch herausfinden. Generell kann man davon ausgehen, dass in Ballungszentren die Expertendichte exorbitant höher ist. Sehr viele Menschen mit Tutnixen, die auch noch dummerweise Zugang zum Internet und anscheinend freie Zeit haben. Die freie Zeit wird nicht für den eigenen, meist sehr selbständig agierenden Aluschalen-Tutnix verwandt. Könnte ja was bringen, so ein kleiner Sack Erziehung. Und die neuste Hunter-Kollektion wird generell nur in der eigenen Wohngegend ausgeführt, dann sehen die anderen Aluschalen-Uschis auch direkt, dass man sich das leisten kann. Die meist weiblichen Experten in Ballungszentren lesen aufmerksam viele Facebook-Foren, sind völlig beratungsresistent im reellen Leben und der festen Überzeugung dass alles, was im Internet steht völlig wahr ist. Hat ja jemand geschrieben, dann muss das wahr sein. Also gehe ich davon aus, dass genau diese Uschis auch an Aluhüte, Chemtrails, nachwachsendes Erdöl glauben. Und Kriege werden nur von bösen Menschen geführt. Der eigene Hund tut selbstverständlich nie was, der hat ja eine Flexileine mit Blümchen drauf. Und kommt aus dem Tierschutz, der hatte ne schwere Welpenzeit und dem hat ja nie jemand gesagt, wie man sich so als Tutnix verhält. Kann ja mal vorkommen, ne?
So seid dann gefasst – wenn ihr in einem Gebiet mit hoher Expertendichte und Internetzugang mit Arschlöchern spazieren geht – dass euch gar fantastische Menschen begegnen.
Bei uns sieht das meist so aus wie in dem folgenden Beispiel:
Rheinland, beliebtes Spaziergebiet. Ich kann heute nur dort laufen weil ich diverse Termine halten muß und die Arschlöcher bei allen dabei sein werden. Ladeluke vom SUV auf, Bondage an dem Todesstern wird heute fünf Mal überprüft. Da die Tuss heut auch noch schlechte Laune wegen Hormonen hat, bekommt die den Weber-Gesichtsgrill deluxe auf. Der Gelenkbus hat auch Laune, weil die Hündin Laune hat. Da ist der ja flexibel. Also bekommt der ebenfalls seinen Vogelkäfig um. Der ist nicht ganz passend (etwas zu lang) und ich wollte schon immer einmal so einen Plastik-Wellensittich besorgen und den vorne in den Käfig reinsetzen. So als Calming-Signal für das Volk. Ja, hat nen Gesichtsgrill und sieht damit aus wie Hannibal Lector, aber ist nett zu Vögelchen. Mit ein wenig Verwirrung am Hund kommt man meistens etwas besser durch das gemeine Volk. Ist aber noch nicht geschehen, ergo geht der Gelenkbus mit vollem Serienkiller-Aussehen heute aus. Der Todesstern trägt lieber den schwarzen Kleinen, ganz Lady halt.
Als ich vom Parkplatz loslaufe bin ich schon in bester Stimmung. Die ersten schrägen Blicke treffen auf uns, man tuschelt hinter vorgehaltener offener Kofferraumklappe. In der ein Tutnix sitzt. „Wie kann man nur zwei solch gefährliche Hunde haben, Uschi? Guck dir die mal an! Ach, ist so eine Tätowierte. Die wollen das ja so. Immer auffallen und diese gefährlichen Kampfhunde an der Leine. Tststs…“ Aus dem Kofferraum brüllt der Tutnix meine Hunde an. Ich bin nach drei Metern schon leicht genervt, Todesstern und Gelenkbus bereiten sich auf die Party des Jahrhunderts vor. Noch kann ich mein Schandmaul halten und gehe einfach weiter. Was in meinem Kopf mit der Kommentatorin passiert, kann man sich vielleicht denken.
Auf der ersten Wiese angekommen, schießt der erste Leinenhamster auf mein Duo zu. Immerhin: an der Leine. Flexi. Endlich haben meine Tölen einen Grund gefunden und nehmen meine inzwischen aggressive Grundstimmung direkt mit – es wird aufgebürstet als ob die Reinkarnation vom Galgo des Grauens in beide gefahren wäre. Alleine das Plöpp-Geräusch hätte den Leinenhamster schon mit einer Druckwelle gegen den nächsten Baum befördern müssen. Ich wickele mir vorsichtshalber die Leinen nicht nur um die Hände, sondern halte gleichzeitig auch noch in bester Fesselungsmanier alles irgendwie mit der Hüfte fest. Immerhin hab ich 85 kg, eine recht hohe Statik und konnte mal Rennpferde im Zaum halten. Statistisch gesehen fliege ich auch nur einmal im Jahr auf die Fresse. Nämlich nur wenn ich nicht aufgepasst habe und der Todesstern in eine andere Richtung beschleunigt als vermutet.
Der Leinenhamster gibt alles. Aus den Augen strahlt der blanke Wahnsinn und wir werden mit aller Kraft aus der mikroskopisch kleinen Lunge angebrüllt. Ein Paradebeispiel von gesellschaftlich nicht tragbarem, biologischem Normalverhalten entfaltet sich direkt vor unseren Füßen. Ganslosser würde vor Freude dieses deutlichen Beispiels wahrscheinlich klatschend vor Begeisterung um uns tanzen. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Ich warte, bis das Ende der Flexileine auf dem Weg auftaucht. Und möchte dann direkt brechen. Eine Uschi. Wie sie leibt und lebt. So, wie ein Beispielbild in unserem internen Wegweiser durch die Hundehalter-Welt aussieht. Hunter-Kollektion, natürlich voll auf Schluff, Haare hübsch, Freddy-Krüger-Gedächtnisnägel und voll mit Wissen aus irgendeinem Internetforum. „Ohhhhhh, Paule, das ist aber nicht gut. Kommaher, Paule, ja wo isser denn?“ säuselt es vor sich hin. Flexi wird keinen Millimeter eingezogen. Vermutlich weil der Rückschlag den Hund mit einem Schnack an den nächsten Baum befördern würde und ich dann ein Tutnix-Mandala bewundern dürfte. Aber man weiß es ja nicht.
Ein schräger Blick auf meine tobenden, aber immer noch bei mir stehenden Arschlöcher. „Warum tragen die denn einen Maulkorb?“ Die Frage aller Fragen. Warum richtest Du eine Waffe auf mich, Schatz? Warum gibt es Warnschilder? Warum darf man Flugzeugtüren in 10.000 Meter Höhe nicht öffnen? AUS GRÜNDEN, verdammt nochmal! Weil Wissenschaftler das herausgefunden haben!
„Aus Imagegründen. Sonst werden die von so Zwerghamstern nicht ernst genommen.“
Die Murmeln in den Hirnen meiner Köter klacken hörbar aus den Ohren und suchen das Weite. Brüllender Leinenhamster, eingefrorener Mensch an der Leine vom Leinenhamster: Deutliche Gefahr für Frauchen. Die Idiotenbürste wird ausgepackt. Es wird gefährlich – für mich. Kein Baum zum festhalten in adäquater Nähe, urteilsresistente Uschi vor mir und eine Töle, die ohne weiteres Nachmessen in den Pfotenzwischenraum vom Gelenkbus verschwinden kann. Da ich nicht nur um die großartige Blödheit mancher meiner Mitmenschen weiß, rattert mein Notfallplan los. Hundehirne, auch wenn sie situativ nur aus Glitzerknete, Murmeln und einer Blackbox mit Kabelbrand bestehen, bewerten anders als menschliche Hirne. Das Hundehirn kategorisiert nach Größe und Oberflächenbeschaffenheit. Also haben wir einen Wehrhamster vor uns, der deutlich ins Beuteschema meiner Arschlöcher passt. Abendbrot. Mit Füllung und schön warm.
Da ich auch noch weiß – etwas, was die Uschi bestimmt noch nicht im Internet nachgelesen hat – dass bei einschränkenden Maßnahmen der Blickkontakt elementar ist, rupfe ich meine Leinen an mich und marschiere los. Der Gelenkbus hat den Anker noch liegen, also wird der noch mit einem (ACHTUNG!) Leinenruck (in der Hoffnung dass der das überhaupt mitbekommt) in eine andere Richtung gezerrt. Nämlich weg von der Beute. Gelenkbus röchelt noch ein ARRRRSCHHH!! ISCHKRISCHDISCH!, der Todesstern tobt wie ein Sturm der ersten Güte. Ich schleife die beiden von dannen und beschließe, direkt zum Auto zu dackeln. Noch ein Experte und ich werde zum Massenmörder. Vielleicht nimmt mich dann endlich jemand ernst. Ein bisschen.

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Ich halt mal Abstand. Meiner issn Arschloch.

Noch nicht ganz wach, schallte mir dieser Satz heute Morgen beim spazieren im neuen Territorium entgegen. Moment. Es gibt noch andere Arschloch-Besitzer, die sich auch noch dazu bekennen? Hervorragend. Hier bleib ich. Mit einem milden Lächeln hat der Arschloch-Besitzer seinen wild an der Leine zerrenden (lieben netten) Aluschalen-Hund von dannen gezogen.
Meine hauseigenen Arschlöcher waren derweil noch nicht ganz auf Sendung oder haben das hamstergroße Teil an der Flexi überhaupt nicht wahr genommen.
Während des weiteren Weges kommen mir nur selten andere Hunde entgegen, was das Spazieren hier, an unserem neuen Wohnort, wirklich angenehm macht. Überhaupt bin ich hier in den seltenen Gefilden, wo die anderen Hundehalter einfach Hunde haben und kein Geschisse um irgendwas machen. Ab und an kommt mir jemand entgegen, der höflich fragt: Na, sind die auch aus dem Tierschutz? Motzi bellt dann auch höflich zurück, dass es die Person einen Scheissdreck angeht, woher sie kommt, denn ihr gehört hier alles und überhaupt ist es eine Frechheit, dass der entgegenkommende überhaupt ihren Sauerstoff wegatmet. Der Gelenkbus ist da entspannter, der spielt Todesstern ohne Bremsen. Läuft einfach weiter, ob da nun eine Fußhupe im Weg steht, freundlich wedelnd, oder gar ein Mensch freundlich mit ihm spricht. Wenn der Könich seine Wege abgeht, geht der Könich seine Wege ab. Da hat das Volk mal gar nicht zu stören.

Mit der Frage „..auch aus dem Tierschutz?“ kriegt man mich ja normalerweise. In Fahrt. Aber richtig.
Meine Arschlöcher sind beide vom Züchter. Ob und wie man Züchter wird und sich so nennen darf sei mal dahingestellt. Wenn ich auf die allumfassende Frage „und, aus dem Tierschutz? Welche Orga?“ ein fröhliches „NÖ! Vom Züchter!“ entgegen schmettere habe ich größte Aussichten auf ein völlig sinnloses und mehr als aufgedrängtes Gespräch. Inklusive Weltproblematik, Kultur des Abendlandes, Verschwörungstheorien und allem Schnickschnack. Mir persönlich fehlt da ja ein wenig Chemtrail-Wahnsinn, aber man kann ja nicht alles haben.
Nach fast 30 Jahren im Tierschutz hat man meist schon fast alles gesehen. Auch der Online-Tierschutz ist nun auch schon seine guten 10 Jahre alt. Wer kennt nicht die besonderen Menschen in Facebook, deren Profil eigentlich nur aus „RETTET NUR DIESEN EINEN“ und „Sitzt in der Tötung“ oder „Muss dringend da raus!!!“ besteht? Herzallerliebst. Ich mag die. Wirklich. Genauso mag ich es wenn ich feststelle dass morgens kein Kaffee da ist oder mir ein Hund direkt vors Bett gereihert hat. Im Idealfall in Kombination. Dann sind die Leute auch noch total vegan! und haben da auch eine derart lustige Meinung zu, die allumfassend und ständig mitgeteilt wird. Natürlich ungefragt.

Wenn mir tatsächlich mal langweilig ist, meine Arschlöcher mir keine drei Meter langen Sabberfäden an die neue Tapete geklatscht haben oder gerade nicht die Weltherrschaft an sich reißen wollen (von der Couch aus, sicher ist sicher, ne?) lese ich mir Facebook-Foren durch. Oder Profile von Tierschützern. Also die, die nur im Internet tätig sind. Von der heimischen Couch aus.
Weil von denen, die tatsächlich was tun, hört man fast nie was. Die sind nämlich während die was für irgendwelche Tiere machen nicht online um ihre Heldentaten zu posten.
Geht auch meistens nicht, wenn man einen so süßen, mißverstandenen, wild um sich beißenden Kangal am Hals hat.
Der Straßenköter ansich findet es nämlich meistens gar nicht so prall, aus seinem Territorium, in dem er sich auskennt und auch meist irgendein Rudel hat, herausgerissen zu werden. Und das weil eine deutsche Tierschutz-Uschi am heimischen PC findet, dass der struppige Köter hier in D eigentlich viel besser aufgehoben ist. Sie hat zwar nur eine 12 m² Bude und kann eigentlich auch nicht mit Hunden, aber hier in Deutschland ist ja alles besser für den Hund, der da im schlimmen Ausland auf der Straße leben muss. Es ist übrigens dasselbe schlimme Ausland, wo die gemeine Tierschutz-Uschi (oder –Horst) in den Urlaub fährt, Caipi saufen. Aus Eimern. Is ja Urlaub.
Also lese ich mir Postings durch. Zwischen asthmatischen Lachanfällen und ungläubigem Staunen kommt eigentlich nicht viel bei mir zustande. Gott hat manchmal verdammt viel Humor. Anders kann ich mir das nicht erklären.
Es werden ausnahmslos alle Hunde als lieb und verträglich, sowieso eigentlich ein Geschenk an die Menschheit angepriesen. So eine Scheisse, deswegen gucken mich also die Leute immer so mitleidig an, wenn ich sage dass meine vom Züchter sind? Sind das also die Zucht-Arschlöcher, hätt ich was aus dem Tierschutz wäre ich viel viel besser dran?
Mitnichten. Das weiß ich aus sicherer Quelle. Ein guter Kumpel vom Arschloch ist selbst auch eins. Also, auch ein Arschloch. Und der Halter von dem, der gibt das auch so offen zu. Aber der ist aus dem Tierschutz. Und der Halter, den ich übrigens echt gerne mag, meint dass sein Köter wohl irgendwann eingeschläfert worden wäre. Weil der halt einfach ein Assi auf vier Pfoten ist. Eine laufende Mittelkralle. Ihm würden nur noch ein Kettchen und weißes Rippshirt fehlen, dann würde man ihn von weitem schon erkennen. Mit ihm als Halter käme der Hund klar, man kennt sich und seine Eigenarten. Spaziergänge wären leicht einsam, aber man mag sich halt und passt sich an. Ihm wurde der Hund damals als total verträglicher Familienhund verkauft. Von ner Orga. Auf Nachfrage, als der nette verträgliche Hund den ersten Menschen ziemlich feist und ohne wirklichen Grund getackert hat, hatte die vermittelnde Orga nur den guten Hinweis: Hier war der gaaaaanz anders!
Genau. Und die Erde ist übrigens eine Scheibe, die Antwort auf alle Fragen ist 42 und ich bin in Wirklichkeit Siri und wohne in euren Handys.

Und so verfolge ich mitsamt meiner geliebten Arschloch-Fraktion weiter den Verlauf der aktuellen Tierschutz-Uschis und –Horsts. Wenn es nicht zu kriminell wird ist Lachen garantiert.

 

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Quoten-Tutnix

Gefunden. Endlich. Ich dachte schon, dass wir im Arschloch-Paradies wohnen. Mit gesitteten Hundehaltern, die ihre Tölen einfach an die Leine nehmen, wenn andere (wir) angeleinte Hunde auftauchen. Mitnichten – die Quote ist soeben erfüllt worden.
Es stürmt. Und regnet. Wir mögen das. Von Haus aus, rein genetisch, bin ich Friese. Friesen sind mit Sturm total zufrieden und glücklich. Die können damit um. Und da ich das schon immer ausgestrahlt habe, finden meine Arschlöcher Sturm auch geil. Bestes Beatmungswetter für den Gelenkbus, und Uschi versucht schneller als der Wind zu sein.
So gut gelaunt ziehen wir heut morgen los. Ab aufs Feld, mit dem fröhlichen Gedanken und Wunsch, dass keiner außer uns das Wetter mag und die Wege leer sein mögen.
Sind sie auch, anfangs. Todesstern und Gelenkbus dürfen im Vorhang-Regen auf der gefluteten Wiese kurz spielen. Ich bin glücklich weil die Krampen glücklich sind. Der Wind schleudert bei allen die Glitzerknete ordentlich an die Schädeldecke und der geneigte Betrachter könnte zum Schluß kommen, dass wir alle Eichhörnchen auf Drogen sind. Muss so ähnlich aussehen.
Seitenblick. Auf dem Hügel, wo ich stehe und die beiden lieblichen Elfen Panzer spielen, habe ich super Übersicht auf alles, was kommen könnte. Ich sehe am Weg eine Frau mit – OHA – unangeleintem Hund. Da bei dem Wind ein Kommando auch mal verhallen kann rufe ich die beiden Schlachtschiffe zurück. Klappt sogar beim dritten Mal, die sind nur schmollig weil sie nicht mehr weiter in der Matsche spielen dürfen. Die Frau kommt erstaunlich schnell näher – der Hund von ihr immer noch fröhlich vorneweg, reichlich Abstand zum Frauchen. Diese macht nicht die geringsten Anstalten, diesen Umstand zu ändern. An der Körperhaltung der Frau sehe ich dummerweise, dass sie es auch nicht tun wird. Eine Tutnix-Halterin. Der Tutnix hat uns auch auf dem Radar und läuft in klassischem steifen Gang posend auf uns zu. Ich hoffe das beste, alle sind angeschnallt und meine BDSM-Künste sind heute voll entfaltet. An der Gabelung nehme ich den Weg weg von Tutnix, der inzwischen auf 20 m näher gekommen ist. Kritische Distanz. Tutnix-Frauchen macht wie erwartet – nichts. Ich beschließe, mich runter zu fahren (hahahaaaaaa…ha.) und einfach weiter zu laufen. Rücken zum Tutnix. Todesstern und Gelenkbus rechts und links, laufen mit. Ohne umdrehen. Leise regt sich die Hoffnung, dass wir einfach weiter laufen können. Mit quitschenden Pfoten hält der Gelenkbus an. Anker. Umdrehen. SCHEISSE. Der Tutnix, graues irgendwas von ca. 25 kg (also leichte Mittelklasse) steht und starrt. Todesstern dreht sich um – starrt. Ich stelle mich vor die beiden, schreie Tutnix mit „AAAAABB!!!“ an. Bei vielen Hunden hilft das, weil die meist niemals nicht ein böses Wort zu hören bekommen. Den schockt das aber nicht, der starrt und kommt näher.
Prima. Kann ich grade noch denken. Leinen nass und rutschig, ich habe versäumt mir alles viermal um die Hand zu wickeln. Der Gelenkbus lässt den V6 aufjaulen und schmeißt Allrad an. Der Weg ist scheiße rutschig und völlig durchweicht, ich versuche Halt zu finden und vergesse, die Bondage-Leine vom Todesstern richtig um die Faust zu wickeln. Da der Gelenkbus völlig immun gegen „Leinenruck“ und „Du darfst dem nicht so am Halsband ziehen“ ist werde ich mit gefühlten 40 Sachen beschleunigt. Ich kann mich grade halten, allerdings surfe ich auf den (Gottseidank!) Wanderschuhen Marke Salomon „Grip“ mit mittelmäßigen Haltungsnoten hinter dem Gelenkbus her. Was der Todesstern grad macht, sehe ich nicht. Hinter mir. Während ich versuche, nicht auf die Fresse zu fallen, hat der Gelenkbus noch mehr Fahrt aufgenommen und zieht mich an seinem Halb-Würger- Halsband unbeeindruckt hinter sich her. Ich surfe weiter, auf einmal …. Todesstern. Links vom Gelenkbus beschleunigt kann ich die Leine nicht mehr ranziehen, verheddere mich und… verliere die Leine. Ein lauter Knall ertönt – Todesstern hat die Schallmauer durchbrochen und fliegt auf den Tutnix zu. Den Gelenkbus kriege ich mit einem Fuß zum bremsen. Im surfen zwischen die Hinterbeine gelangt mit den Beinen, wozu sind die schließlich so lang bei mir. Praktisch. Gelenkbus steht, zieht aber weiter. Ich sehe den Todesstern kurz vorm Aufprall am Tutnix und befürchte das allerschlimmste. Aber Oha, der Tutnix weicht leicht aus, sichtlich beeindruckt, und der Todesstern belohnt dieses Alternativverhalten mit einer Scheinattacke und läuft aus. Ich hab Puls. Aber richtig.
Das Tutnix-Frauchen schaut sich alles seelenruhig an. Ihrer tut ja nix, ne? Dass meine ohne Probleme ihren Hund – bei entsprechender Situation – in mundgerechte Happen zerlegen könnten ist nicht präsent in ihrem Hirn. Auch nicht, dass die es tun würden. In meinem Hirn existiert das aber. Ich habe Verantwortung und die ist mir bewusst (sonst wären die ja nicht an der Leine gewesen, nech?)
Ich schreie (gegen den Wind. Mach das mal.) USCHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII! Tonlage eindeutig. Findet der Todesstern auch. Guckt, kommt zurück gepflastert und steht vor mir. Das überfordert mich für eine kurze Sekunde. Hallo, die hat grade einen super Kampf im Matsch für mich sausen lassen. STRIKE!!!
Also kann ich Uschi an die Leine nehmen und meinen Zorn auf die Tutnix-Halterin richten. Was sie denn meinen würde, WARUM die Hunde an der Leine sind? Das Bild muss fantastisch gewesen sein. Einmeterneunzig mit wehenden roten Haaren, wütend brüllend, mit zwei Deppen-Corsos an der Leine, rechts und links drapiert, steht auf nem Hügel im Regen.
Hat die dann bewogen, zumindest so zu tun als ob sie interessiert, ob ihr Hund gleich noch atmet oder nicht. Mehr kann ich nicht sagen, ich hab mich umgedreht und bin gegangen.
Meine Tölen hab ich gelobt. Aus ganzem, ehrlichen Herzen. Gestreichelt und in den höchsten Tönen als beste Arschlöcher der Welt, mitten im Sturm und Regen in der Matsche, lieb gehabt. So wie ich sie nun mal liebe. Beide haben mich verständnisvoll angesehen – und mir gezeigt, dass wir einfach ein Team geworden sind. Mit Ecken und Kanten, aber ein Team. Da passt kein Millimeterpapier zwischen. Höchstens mal ein Tutnix, aber dem erklären wir das auch noch.

 

 

 

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Experte 2.0

Arschlochhunde zu besitzen ist ein bisschen wie ein Mitarbeiter im Baumarkt zu sein. Spätestens, wenn ein augenscheinlich schräger Kunde auftaucht, möchte man gerne ganz schnell fliehen oder unsichtbar sein. Die netten oder halbwegs mit ihrem eigenen Kram beschäftigten, die einfach nur eine Info haben wollen, schreien auf dreißig Meter Entfernung „Wo ist denn …?“, geben sich auch mit der kurz gehaltenen Antwort zufrieden und rauschen von dannen.  So, wie Arschlochhunde-Besitzer sich beim Spazieren gehen begegnen. Über Distanz wird sich was entgegen gebrüllt, Distanz gehalten – und gut ist. Wird einfach akzeptiert, dass da Kugelfische und Knetmasse in massivem Glitzer an der Leine hängt die gerade versucht, die Haifischzahnreihe dem Gegenüber entgegen zu schleudern weil … ja, weil.
Vor einigen Wochen war ich – noch im alten Wohngefilde – mit den beiden Arschlöchern unterwegs. Einige Wege hatte ich mir schon länger abgewöhnt weil die mir einfach und ehrlich gesagt zu stressig waren. Übrigens genau wie Innenstädte oder Versammlungen, sowas besuche ich mit dem Todesstern schon mal gar nicht. Für die ist das wie ein Ausflug allein ohne Wächter als Mordorbewohner im Auenland. Oder umgekehrt, je nach Stimmung.
So schleicht man sich über die im Hirn als halbwegs safe gemarkten Spazierwege. Keine Häuser mit Gärten, wo territorial engagierte Hunde an den Zaun geflogen kommen und man von den eigenen Arschlöchern mal kurz aufs Kreuz gelegt wird. Natürlich zur Freude der Bewohner, die haben dann nämlich wieder was zu lästern. Die mit den irren Kötern wieder, siehste Uschi… Mann mann, die hat die ja gar nicht im Griff. Wir sollten das melden. (Mal nur am Rande – ich weiss inzwischen nicht wie oft ich irgendwo gemeldet wurde. Die Gründe variierten zwischen „füttert nicht, hat den Hund angeschrien, hat dem Hund die Backen lang gemacht, die Hunde haben die über den Haufen gerannt“ und ähnlich wertvollen Gedanken mancher Mitmenschen. Da ich – positiv – bei den meisten Vet-Ämtern und sonstigen zuständigen bekannt bin bekomme ich das inzwischen noch nicht mal mehr mitgeteilt. Ich glaube die sammeln die lustigsten Anzeigen und geben irgendwann ein Buch heraus.)
Wir trotteln also unseres Weges, der Gelenkbus hat nen super Tag und will die Welt beherrschen. Alles, was falsch in unsere Richtung guckt, wird als potentiell angreifbar eingestuft. Gucken die nicht, werden die deswegen als angreifbar eingestuft. Der Todesstern ist damit beschäftigt, die Glitzer- Knete aus den Ohren ins Hirn zu befördern, damit sie sich in nem unbedachten Moment auf die Hasen stürzen kann, die sich in der Wiese verstecken.
Uns kommt auf dem Weg ein Pärchen entgegen. Mit einem süßen, mittelgroßen Wuschelding. Hört bestimmt super und ist noch niemalsnicht böse gewesen, in der Hundeschule der Streber schlechthin und sowieso Gottes Geschenk an die Menschheit. Das Wuscheldingen sieht die Arschlöcher, die Rute rastet auf „ALTAAA“ ein und das Dingen beginnt unter der Masse an Flokati sämtliche Drohgebärden abzuspulen, die es so drauf hat. Das Pärchen lächelt glücklich und lässt der Flexileine vollen Lauf. Ich werde steif. Der Todesstern plöppt hörbar auf volle Größe auf und der Gelenkbus riecht endlich den Ärger, den er haben will. Idiotenbürste raus, tief eingeatmet und Gehörgänge frei. Die Murmeln in seinem Kopf rollen hörbar in den Verdauungstrakt und bereiten sich auf eine Mahlzeit mit viel Haaren vor.
Mein kurz gebrülltes „Meine haben Pilz!“ wird von dem Pärchen als Aufforderung zum spielen bewertet. „Unserer ist geimpft!“ Oha, Idiotenpublikum. Da hat man Bock drauf. Hundert Kilo Assi an der Leine, selbst nicht so ganz auf der geistigen Höhe und als End-Gegner minderbehirnte   Uschi samt Töle und Flexileine.
Während ich versuche, die Gefahrenstelle großräumig mit den inzwischen voll auf Krawall gebürsteten Arschlöchern zu umgehen, höre ich die Uschi tuscheln. „Wieder so eine, siehste, Horst? Wäre die in UNSERER Hundeschule… Die armen Hunde. Keine Erziehung.“ Bevor ich mich aufregen kann hat diesmal der Gelenkbus beschlossen, dem Ganzen ein schnelles Ende zu setzen. Aus dem Augenwinkel  sehe ich, wie das Heck runter geht, Brust auf ganze Pracht aufgebläht, und er versucht in seiner zierlichen Eleganz einen Kaltstart hinzulegen. Reflexartig schießt mein Bein vor, der Rüde bekommt es in der Startphase volle Möhre vor die Brust und wird tatsächlich so weit gebremst, dass ich die Leine am Arm noch auf „würgen in ein Meter Höhe“ bekomme.
DIE HAT IHREN HUND GETRETEN!!! HORST! RUF DEN TIERSCHUTZ! VETAMT! Eine Hass-Tirade ergießt sich über mich, während ich beide Hunde auf den Boden nagele. Der Todesstern will mitmachen und dreht sich mit Krododilrollen an der Leine, um irgendwie an den Flokati an der Flex zu kommen. Der Gelenkbus ist damit beschäftigt, die Passagiere im Inneren wieder auf die Plätze zu bekommen und schreit dabei auch aus Leibeskräften mit. Der Flokati fühlt sich an der Flexi super sicher und zeigt meinen Arschlöchern alle vier Mittelkrallen, provoziert auf maximale Flexileinendistanz kurz vor uns fröhlich weiter.
Mir reichts. Ein Schrei, alle Hasen, Spaziergänger, der Flokati und meine Arschlöcher halten schlagartig inne und starren mich an. Uschi und Horst interessiert das nicht, die schreien mich weiter an und geben mir Erziehungstipps. Mein Wutpegel ist im nicht mehr meßbaren Bereich und würde in den Moment sogar Darth Vader zur Erfurcht bringen. Die Dunkle Seite in mir befielt, die Uschi zu skalpieren und den Skalp deutlich sichtbar am Zaun des Weges als Exempel zu statuieren. Meine Erziehung kommt erstaunlicherweise dazwischen. Ich atme tief durch, brülle meine Idioten ins Platz und schaue hoch. Mein Angebot, meinen Rüden zusammen mit dem Flokati sauber und ohne Vorfälle jetzt direkt als gutes Beispiel für mich auf dem Weg vorzuführen, bringt die Uschi dazu ihr Handy zu zücken. Nervös zitternd teilt sie mir mit, jetzt das Ordnungsamt zu rufen. MACH ET! entfleucht mir noch – und dann sehe ich eine Nachbarin mit ihrem Hund auf uns zukommen. Den Hund hatte der Gelenkbus mal zwischen – ohne Zähne. Der Hund wartet in königlichem Abstand, die Nachbarin kommt zu mir. Was denn wäre, fragt sie feist grinsend. „Die Herrschaften wollen mich beim Ordnungsamt anzeigen. Weil.“ antworte ich. Meine Nachbarin geht auf die beiden zu, stellt sich als Zuständige für die Einhaltung des Landeshundegesetzes der Stadt XY vor (was im übrigen stimmt) und klärt Uschi und Horst darüber auf, dass ich wohl die einzige Person wäre, die ihre Hunde in absolut jeder Situation adäquat im Griff hätte und wo ihr Problem sei. Im übrigen hätte der Flokati keine Steuermarke um und sie will wissen, wo der gemeldet ist.
Dankbar grinse ich in mich hinein, zerre meine Arschlöcher weiter. Wir beenden den Spaziergang mit unterschiedlichen Emotionen. Der Gelenkbus ist sauer, weil der kein Gewöll fressen durfte. Der Todesstern ist sauer, weil die Hasen sauer sind. Und ich grinse, weil ich einige fähige Leute in Behörden kenne.

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Inglorious Assholes - Arschlochhund

 

Meine Schwester sagte mal, dass jeder Hund am Anfang seines Lebens einen Film gezeigt bekommt. Der Film zeigt die Rasseeigenschaften, was man als zum Beispiel als Kangal so zu tun hat und was ein Hund so alles drauf haben muss. Dann bekamen wir nach den Dackeln den ersten Podenco. Kessi gehörte meiner Schwester. Von der Rasse hatte ich bis zu dem Zeitpunkt nix gehört. Der Hund kam um die Ecke und ich dachte direkt dass die NSA bei uns einzieht. Alter Schwede – diese Radar-Ohren waren gigantisch. Und ließen die Optik von der Hündin echt ein bisschen ins lächerliche abgleiten. Immer, wenn die die Pommestüten aufgeklappt hat, musste man lachen. Jeder. Dann hatte die noch einen Schlafzimmer-auf-Drogen Blick dabei und war anfangs völlig ängstlich. Angst vor wirklich allem. Es hat ein gutes Jahr und viele Stunden am Stall und in der Stadt gekostet – inklusive meiner Nerven – bis die halbwegs erträglich war.
Der Galgo kam damals dann irgendwann von mir noch dazu – zumindest sah der mit diesen rassetypischen „Rosenohren“ (wer sich das ausgedacht hat, gehört erschlagen. Die Dinger sind nur am Kopf der Pinzetten-Nase angebracht damit der Wind nicht die Augen rausplöppen lässt oder die Murmeln samt Knetmännchen aus Versehen bei Wendemanövern auf der Jagd nach draussen katapultiert werden) nicht so scheiße aus wie die Hündin.
Beide waren dann irgendwann sowas wie „normal“. Wobei ich bei einem Windhund heute nicht mehr von normal sprechen möchte. Die, die einen zuhause haben, wissen was ich meine.
Die Podenco-Schlampe und das Rippchen waren sich auch oft einig. Köter gegenüber – Kernschrott und gehört gefressen. Hasi – gehört eh gefressen. Fressen was Menschen servieren – die wollen uns umbringen. Aber hey, lass mal den Tisch abgrasen und deren unvergiftetes Essen klauen.
Meine Galgolette hatte dann wohl den Film für Rottweiler gesehen. Hab ich zumindest irgendwann vermutet. Nicht nur, dass der Knochensack einen astreinen Bodycheck hinbekommen hat. Der hat auch beim Spielen gebrummelt, mal einen betrunkenen Mann davon abgehalten mich anzugreifen (und das nicht nur mit wildem Knochengerassel – der Galgo ist echt fies geworden!) und mit Vorliebe Dobermänner angegriffen. Nur beim Jagen, da war der ganz Rassetypisch. Und beim Couchen natürlich.
Angesprochen wird man mit so einer tapezierten Kate Moss im Hundekostüm auch ständig. Damals – so vor 14 Jahren muss es gewesen sein – war das Internet noch nicht so präsent und ständig vor dem Schädel des versierten Benutzers. Viele kannten die Viecher einfach nicht. Aber Tierschutz-Uschis, die gibt es schon mehr als 14 Jahre. Mein Dank gilt immer noch der verkackten Tussi, die mich am Düsseldorfer Hauptbahnhof von der Polizei verhaften lassen wollte. Auf dem Bahnsteig. Weil ich die Rippe ja nicht füttere und sowieso total gemein aussehe. Die Diskussion mit den netten Polizisten, die übrigens die Welt nicht verstanden hatten und dieser kreuzdebilen BMI 63 Tussi hat mich nicht nur die direkte Verbindung nach Frankfurt (mit gebundenen Sitzplatz Reservierungen für Rippenklavier und mich, kostet ja nix!) gekostet. Diese Tierschutz-Uschi (am Stand den sie dabei hatte nur dieses Vegan for President und „Ernährt euch richtig“ – wohlgemerkt: BMI 63. Äußerst plausibel. Äußerst!) hat mein Verhältnis zu den TS-Uschis doch recht stark geprägt. Ich kann nicht anders, ich werde sarkastisch und ironisch wenn ich auf euch treffe. Da kann ich gar nix für, is Prägung. Tut mir auch nicht leid, ihr schreit danach. Bitte, ich bin ein netter Mensch und geb euch gern Antworten. Aber lebt mit den Antworten – ich bin geübt mit sowas zu sprechen. Und wahnsinniger bin ich definitiv.
Schöner sind dann die Begegnungen mit Jugendlichen. Auf einem Sportplatz begab sich folgendes: Junger Mann, vielleicht 16 Jahre alt, schreit seinen Kumpel an. „Altaaa! Das ist so ein Afghane! GUCKSTU! Hab ich schonmal in da Schule in Buch gesehen! Voll kraaaasss!!“ Schaut mich und den Galgo an, der Galgo schaut als ob der größte Abschaum der Welt versucht hat mit ihm Kontakt aufzunehmen. Allerdings gucken die Viecher ja immer so (um dann schnell die Kurzwahl vom Psychiater anzuwählen: ES hat mich angesehen! ES! Machwas!). Ich fühle mich genötigt, den armen jungen Mann zu bestätigen.
„Ja, ist ein Afghane. Hatte schwer Krebs und eine ellenlange Chemo, da sind dem leider alle langen Haare ausgefallen.“ – „Siehste, alda!“ sagt es zu seinem Freund und dampft glücklich von dannen.
Ich kann nett sein. Wirklich!

 

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