Experte 2.0

Arschlochhunde zu besitzen ist ein bisschen wie ein Mitarbeiter im Baumarkt zu sein. Spätestens, wenn ein augenscheinlich schräger Kunde auftaucht, möchte man gerne ganz schnell fliehen oder unsichtbar sein. Die netten oder halbwegs mit ihrem eigenen Kram beschäftigten, die einfach nur eine Info haben wollen, schreien auf dreißig Meter Entfernung „Wo ist denn …?“, geben sich auch mit der kurz gehaltenen Antwort zufrieden und rauschen von dannen.  So, wie Arschlochhunde-Besitzer sich beim Spazieren gehen begegnen. Über Distanz wird sich was entgegen gebrüllt, Distanz gehalten – und gut ist. Wird einfach akzeptiert, dass da Kugelfische und Knetmasse in massivem Glitzer an der Leine hängt die gerade versucht, die Haifischzahnreihe dem Gegenüber entgegen zu schleudern weil … ja, weil.
Vor einigen Wochen war ich – noch im alten Wohngefilde – mit den beiden Arschlöchern unterwegs. Einige Wege hatte ich mir schon länger abgewöhnt weil die mir einfach und ehrlich gesagt zu stressig waren. Übrigens genau wie Innenstädte oder Versammlungen, sowas besuche ich mit dem Todesstern schon mal gar nicht. Für die ist das wie ein Ausflug allein ohne Wächter als Mordorbewohner im Auenland. Oder umgekehrt, je nach Stimmung.
So schleicht man sich über die im Hirn als halbwegs safe gemarkten Spazierwege. Keine Häuser mit Gärten, wo territorial engagierte Hunde an den Zaun geflogen kommen und man von den eigenen Arschlöchern mal kurz aufs Kreuz gelegt wird. Natürlich zur Freude der Bewohner, die haben dann nämlich wieder was zu lästern. Die mit den irren Kötern wieder, siehste Uschi… Mann mann, die hat die ja gar nicht im Griff. Wir sollten das melden. (Mal nur am Rande – ich weiss inzwischen nicht wie oft ich irgendwo gemeldet wurde. Die Gründe variierten zwischen „füttert nicht, hat den Hund angeschrien, hat dem Hund die Backen lang gemacht, die Hunde haben die über den Haufen gerannt“ und ähnlich wertvollen Gedanken mancher Mitmenschen. Da ich – positiv – bei den meisten Vet-Ämtern und sonstigen zuständigen bekannt bin bekomme ich das inzwischen noch nicht mal mehr mitgeteilt. Ich glaube die sammeln die lustigsten Anzeigen und geben irgendwann ein Buch heraus.)
Wir trotteln also unseres Weges, der Gelenkbus hat nen super Tag und will die Welt beherrschen. Alles, was falsch in unsere Richtung guckt, wird als potentiell angreifbar eingestuft. Gucken die nicht, werden die deswegen als angreifbar eingestuft. Der Todesstern ist damit beschäftigt, die Glitzer- Knete aus den Ohren ins Hirn zu befördern, damit sie sich in nem unbedachten Moment auf die Hasen stürzen kann, die sich in der Wiese verstecken.
Uns kommt auf dem Weg ein Pärchen entgegen. Mit einem süßen, mittelgroßen Wuschelding. Hört bestimmt super und ist noch niemalsnicht böse gewesen, in der Hundeschule der Streber schlechthin und sowieso Gottes Geschenk an die Menschheit. Das Wuscheldingen sieht die Arschlöcher, die Rute rastet auf „ALTAAA“ ein und das Dingen beginnt unter der Masse an Flokati sämtliche Drohgebärden abzuspulen, die es so drauf hat. Das Pärchen lächelt glücklich und lässt der Flexileine vollen Lauf. Ich werde steif. Der Todesstern plöppt hörbar auf volle Größe auf und der Gelenkbus riecht endlich den Ärger, den er haben will. Idiotenbürste raus, tief eingeatmet und Gehörgänge frei. Die Murmeln in seinem Kopf rollen hörbar in den Verdauungstrakt und bereiten sich auf eine Mahlzeit mit viel Haaren vor.
Mein kurz gebrülltes „Meine haben Pilz!“ wird von dem Pärchen als Aufforderung zum spielen bewertet. „Unserer ist geimpft!“ Oha, Idiotenpublikum. Da hat man Bock drauf. Hundert Kilo Assi an der Leine, selbst nicht so ganz auf der geistigen Höhe und als End-Gegner minderbehirnte   Uschi samt Töle und Flexileine.
Während ich versuche, die Gefahrenstelle großräumig mit den inzwischen voll auf Krawall gebürsteten Arschlöchern zu umgehen, höre ich die Uschi tuscheln. „Wieder so eine, siehste, Horst? Wäre die in UNSERER Hundeschule… Die armen Hunde. Keine Erziehung.“ Bevor ich mich aufregen kann hat diesmal der Gelenkbus beschlossen, dem Ganzen ein schnelles Ende zu setzen. Aus dem Augenwinkel  sehe ich, wie das Heck runter geht, Brust auf ganze Pracht aufgebläht, und er versucht in seiner zierlichen Eleganz einen Kaltstart hinzulegen. Reflexartig schießt mein Bein vor, der Rüde bekommt es in der Startphase volle Möhre vor die Brust und wird tatsächlich so weit gebremst, dass ich die Leine am Arm noch auf „würgen in ein Meter Höhe“ bekomme.
DIE HAT IHREN HUND GETRETEN!!! HORST! RUF DEN TIERSCHUTZ! VETAMT! Eine Hass-Tirade ergießt sich über mich, während ich beide Hunde auf den Boden nagele. Der Todesstern will mitmachen und dreht sich mit Krododilrollen an der Leine, um irgendwie an den Flokati an der Flex zu kommen. Der Gelenkbus ist damit beschäftigt, die Passagiere im Inneren wieder auf die Plätze zu bekommen und schreit dabei auch aus Leibeskräften mit. Der Flokati fühlt sich an der Flexi super sicher und zeigt meinen Arschlöchern alle vier Mittelkrallen, provoziert auf maximale Flexileinendistanz kurz vor uns fröhlich weiter.
Mir reichts. Ein Schrei, alle Hasen, Spaziergänger, der Flokati und meine Arschlöcher halten schlagartig inne und starren mich an. Uschi und Horst interessiert das nicht, die schreien mich weiter an und geben mir Erziehungstipps. Mein Wutpegel ist im nicht mehr meßbaren Bereich und würde in den Moment sogar Darth Vader zur Erfurcht bringen. Die Dunkle Seite in mir befielt, die Uschi zu skalpieren und den Skalp deutlich sichtbar am Zaun des Weges als Exempel zu statuieren. Meine Erziehung kommt erstaunlicherweise dazwischen. Ich atme tief durch, brülle meine Idioten ins Platz und schaue hoch. Mein Angebot, meinen Rüden zusammen mit dem Flokati sauber und ohne Vorfälle jetzt direkt als gutes Beispiel für mich auf dem Weg vorzuführen, bringt die Uschi dazu ihr Handy zu zücken. Nervös zitternd teilt sie mir mit, jetzt das Ordnungsamt zu rufen. MACH ET! entfleucht mir noch – und dann sehe ich eine Nachbarin mit ihrem Hund auf uns zukommen. Den Hund hatte der Gelenkbus mal zwischen – ohne Zähne. Der Hund wartet in königlichem Abstand, die Nachbarin kommt zu mir. Was denn wäre, fragt sie feist grinsend. „Die Herrschaften wollen mich beim Ordnungsamt anzeigen. Weil.“ antworte ich. Meine Nachbarin geht auf die beiden zu, stellt sich als Zuständige für die Einhaltung des Landeshundegesetzes der Stadt XY vor (was im übrigen stimmt) und klärt Uschi und Horst darüber auf, dass ich wohl die einzige Person wäre, die ihre Hunde in absolut jeder Situation adäquat im Griff hätte und wo ihr Problem sei. Im übrigen hätte der Flokati keine Steuermarke um und sie will wissen, wo der gemeldet ist.
Dankbar grinse ich in mich hinein, zerre meine Arschlöcher weiter. Wir beenden den Spaziergang mit unterschiedlichen Emotionen. Der Gelenkbus ist sauer, weil der kein Gewöll fressen durfte. Der Todesstern ist sauer, weil die Hasen sauer sind. Und ich grinse, weil ich einige fähige Leute in Behörden kenne.

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Kommentare: 7
  • #1

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